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70 Bringt 2026 die Klimawende? – Ein positiver Ausblick


January 06,2026

2025 habe ich mit dem Versuch einer Bilanz des voraufgegangenen Jahres eingeleitet (Blog 59). Sie fiel durchwachsen bis negativ aus. Auch die gelegentlichen Blogs über einzelne Aspekte der Klimaforschung zeigten vorwiegend düstere Fakten (z.B. 65, 55, 28, 2), die zum Handeln anspornen sollten. Es gab aber auch viele motivierende Blogs (zu viele, sie einzeln zu benennen). Heute möchte einen durch und durch positiven Ausblick auf 2026 wagen. Wie Sie sehen werden, ist dies nicht nur der reinen Auswahl geschuldet. Es gibt tatsächlich eine Reihe von recht grundsätzlichen positiven Entwicklungen, die zum Teil erst im Jahr 2025 sichtbar wurden und die Hoffnung machen (Stichwort: Positive Kipp-Punkte). Es sei aber schon hier betont, dass eine wirklich positive Entwicklung nur bei weiterer Verstärkung der gesellschaftlichen und individuellen Anstrengungen möglich ist!!! Sparbirnen schrauben sich nicht von selbst in die Fassungen, Solaranlagen bringt nicht der Storch und Klimaziele werden nur durch ausreichende Gesetzgebung erreicht, was derzeit noch nicht der Fall ist. 

Tim Meyer: „Strom“

Auf die Idee hat mich das Buch von Tim Meyer „Strom“ gebracht. Der Untertitel lautet: „Über Nostalgie, Zukunft und warum der Markt längst entschieden hat“. Es beschreibt die rasante Entwicklung der Elektrifizierung in den Bereichen Stromerzeugung durch Solarenergie und Windenergie, Batteriespeicherung, Elektromobilität, Wärmepumpen sowie die Energiewende in China und anderen Ländern. Haupttriebkraft seien die Kostensenkungen. Die Entwicklungen seien meist exponentiell, d.h. verlaufen beschleunigend. Was das heißt, weiß jeder, der die rasante Ausbreitung der Smart-Phones in nur zehn Jahren über die ganze Welt verfolgt hat. Erst wenn eine Sättigung des Marktes eingetreten ist, wird eine Verlangsamung eintreten – stark vereinfacht heißt das: Erst wenn der teurere fossile Strom komplett ersetzt ist. Ein weiterer zentraler Satz lautet: „Weltweit werden 70% der Energie verschwendet“ – nämlich durch die Umwandlungsverluste in Kraftwerken. Einer der Gründe dafür, dass regenerative Quellen langfristig einfach günstigerer sind. 

Seit der Lektüre des Buches, habe ich die anflutenden täglichen Klimameldungen stärker auf ihren positiven Gehalt überprüft und war erstaunt, was da zusammenkam. Hier folgt nun eine absolut unvollständige, stichwortartige Zusammenstellung unter verschiedenen Aspekten: 

Die Zubauprognosen von Solaranlagen werden grundsätzlich übertroffen

Dies zeigte eine Studie von Lopez et al. 2025 exemplarisch für die Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1364032125000449 auf Seite 17 findet sich die entsprechende Grafik). Auch Kostenprognosen (für Solar, Wind, Batterien) sind immer zu niedrig (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306261925005860 ). Schon vor einigen Jahren deuteten Studien an, dass Solarenergie einen Kosten-Kipp-Punkt überschritten haben könnte (https://www.nature.com/articles/s41467-023-41971-7 ). Damit sei Solarenergie so kostengünstig geworden, dass der Ausbau nun Eigendynamik habe und bis zum Jahr 2050 Trillionen Dollar an Kosten sparen werde (https://www.inet.ox.ac.uk/publications/no-2021-01-empirically-grounded-technology-forecasts-and-the-energy-transition ). Massive Kostensenkungen auch bei Batterien fördern Wirtschaftlichkeit und Ausbreitung zusätzlich. Es sei nicht mehr die Frage ob Sonne und Wind weltweit zur dominierenden Energiequellewürden (in Deutschland sind sie es in der Stromproduktion schon), sondern nur wann. Die Zeitschrift Science erhebt den weltweiten Siegeslauf der regenerativen Energiequellen zum „Breakthrough of the Year 2025“ (https://www.science.org/content/article/breakthrough-2025 ). Die angestrebte Verdreifachung bis 2030 ist in Sicht (https://ember-energy.org/latest-insights/renewable-additions-in-2025-are-once-again-expected-to-surge-putting-tripling-within-reach/ ).

Geschieht das denn auch praktisch? - Beispiel Australien

Australien zeigt für ein Industrieland, dass die Solarwende rasant umgesetzt werden kann. In nur wenigen Jahren wurde die Stromproduktion aus regenerativen Quellen (ganz überwiegend Sonne und Wind) massiv ausgebaut. Privatleute gaben den Takt vor: Ein Drittel der australischen Eigenheime haben Dachanlagen(die höchste Dichte der Welt). In den nächsten Jahren wird sich der Bestand noch verdoppeln. Besonders erfreulich: Die Stromkosten sind seit 2016 konstant. Man erwartet sogar eine Senkung in nächster Zeit(https://www.pv-magazine.com/2025/12/19/solar-wind-and-storage-stable-prices-stable-grid/ ). Für die Eigenheimbesitzer ist ein Strompreis von ca. 3 US-Cents/kWh einfach überzeugend. Mit Batterie leben sie von sauberem Strom und zahlen praktisch gar keine Stromrechnung mehr. Um so wichtiger, dass sich das auch in Deutschland herumspricht. Zweifel an der Wirtschaftlichkeit sind hier der häufigste Grund, mit dem Einbau einer Solaranlage zu zögern (https://initiative-klimaneutral.de/mee - dazu muss ich wohl einen weiteren Blog schreiben). 

Aufbruch in aller Welt – in eine sonnige Zukunft

Mit Erreichen der Wirtschaftlichkeit explodierten Solarinstallationen auch weltweit. In Pakistan litt man unter einem schlecht funktionierenden Energiesystem. Die Strompreise stiegen ständig. Durch die Preissenkungen bei Solarmodulen und Batterien kam es in den letzten beiden Jahren zu einem erstaunlichen Solarboom: Die PV-Erzeugungskapazität wurde von 2 GW auf 18 GW fast verzehnfacht und erreichte 25% der Stromversorgung. Dabei waren dezentrale Systeme (12 GW) der Hauptwachstumsfaktor (https://www.ren21.net/gsr-2025/snapshots/pk/ , https://www.focus.de/earth/das-solar-verrueckte-land-in-dem-panels-als-hochzeitsmitgift-verteilt-werden_a77437d2-a075-478d-a299-80263083afff.html ). Importiert wurden 2025 sogar 48 GW (https://www.pv-magazine.com/2026/01/20/pakistans-installed-pv-capacity-estimated-above-27-gw/ ). Nebenbei: In Hitzegebieten kann eine solargetriebene Klimaanlage lebensrettend sein.

Entsprechende marktgetriebene (!) Erfolgsstories gibt es aus der ganzen Welt: Die New York Times berichtet für Südafrika von einer „Transformation des Lebens“: https://www.nytimes.com/2025/12/30/climate/solar-south-africa-china.html . Ember stellt für die meisten afrikanischen Staaten eine massive Zunahme von Solarimporten (60%) in zwölf Monaten fest (Mitte 2024 bis Mitte 2025).  20 Staaten stellten Importrekorde auf. Die Importe Algeriens wuchsen 33fach, Sambia achtfach, Botswana siebenfach, Sudan sechsfach, Liberia, DRC, Benin, Angola und Ethiopien jeweils dreifach (https://ember-energy.org/latest-insights/the-first-evidence-of-a-take-off-in-solar-in-africa/ - eindrucksvolle Grafiken). Global Leaders Today spricht von Afrika als „Global Hotspot“ für Solarenergie: Plus 22% installierte Kapazität im Jahr 2023, plus 44% in 2024 (https://globalleaderstoday.online/africa-emerges-as-global-solar-power-hotspot/ ). Wenn all die importierten Panele noch installiert werden, kommen manchen Staaten auf einen Solarstromanteil von über 50%.

Der Wandel beschränkt sich aber nicht auf Afrika: Auch das bevölkerungsreiche Indonesien z.B.verdreifachte seine Solarstromproduktion von 2018 bis 2021, Vietnam hat sogar verzehnfacht(https://www.irena.org/publications/2022/Apr/Renewable-Capacity-Statistics-2022 ). „Solarriesen“ in den Startlöchern sind: Indien (von 2019 bis 2025 vervierfacht, allein 2025 plus 40 GW), Brasilien (von 2020 bis 2024 verzwölffacht), Mexiko (2017 bis 2025 verzehnfacht) und Saudi-Arabien (spät gestartet aber allein 2024 Import von 16,5 GW an Modulen). Die MENA-Länder (Nordafrika, mittlerer Osten) übertreffen ihre Ausbauziele für 2030 (https://www.pv-magazine.com/2026/01/15/mena-region-installs-12-2-gw-of-solar-in-2025 ). Besonders relevant: Viele Länder schicken sich an, den “fossilen Umweg”, den China noch genommen hat, ganz zu vermeiden (https://ember-energy.org/latest-insights/indias-electrotech-fast-track-where-china-built-on-coal-india-is-building-on-sun/ ).

In Europa ist Deutschland der größte Solarmarkt. Es führt bei absolutem jährlichem Zubau und bei installierter Leistung (17,6 GWp in 2025 auf 119 GWp insgesamt). Spanien hat die Solarleistung von 2018 bis 2024 besonders stark gesteigert und prozentual einen der stärksten Zuwächse realisiert (zusammen mit Griechenland). Auch Polen ist ein stark wachsender Markt (wichtig, da Kohlefeuerung ersetzt wird). Pro Kopf führen die Niederlande (1,19 kWp) knapp vor Deutschland (1,18 kWp). 

Treibend für die Kostensenkungen waren (nach Startschuss durch die „Kostendeckende Einspeisevergütung“ in Deutschland im Jahr 2000) die chinesischen Produzenten (80% der weltweit verkauften Solarpanele kommen von dort; zu Chinas zentraler Rolle für die Energiewende unten mehr). Inzwischen aber schießen weltweit Solarpanelfabriken aus dem Boden. Die Firma Waaree in Indien kündigte z.B. gerade eine jährliche Produktion von 20 GW an (Indien insgesamt produzierte 175 GW in 2025). Sogar in Afrika starten größere Produktionen (Marokko, Südafrika, Ägypten). Entscheidend für die Möglichkeit der erstaunlichen Kostensenkungen ist, dass Solarpanele (wie auch Batterien, Elektroautos, Wärmepumpen und sogar Windkraftanlagen) in Großserien produziert werden können. Wie bei Computern und anderen elektronischen Gebrauchsartikeln werden dadurch erstaunliche Preisdegressionen erreicht, die bei Großkraftwerken niemals möglich wären. 

Der Preisverfall bei Batteriespeichern unterstützt die Wende

Zunehmende Ausbauraten bei Solarenergie (und Wind) erfordern Stabilisierung und Ausbau der Stromnetze. Dabei helfen Batteriespeicher. Zum Glück vollzieht sich bei Batterien mit der Massenproduktion ein noch schnellerer Preisverfall wie bei der Photovoltaik (um Faktor 7 von 2014 bis 2024 – 2025 nochmals um 8%). Dadurch ist die Batteriespeicherung bei Solaranlagen wirtschaftlich geworden und die Überbrückung kürzerer sonnenfreier Zeiten problemlos möglich geworden. Solarenergie (und noch mehr die Windkraft) ist damit zunehmend „grundlastfähig“. Durch den bevorstehenden rasanten Ausbau (2025 waren es schon über 300 GWh - https://www.pv-magazine.de/2026/01/21/neu-installierte-kapazitaet-von-batteriespeichern-steigt-2025-weltweit-um-51-prozent/ ) wird auch der Ausbau der Netze sowie eventueller Reservekapazitäten (wie die derzeit diskutierten Gaskraftwerke) in viel geringerem Ausmaß notwendig. Die immer noch von Kritikern gelegentlich angeführten „Grenzen des PV-Ausbaues“ werden dabei praktisch aufgehoben. Für Australien wurde errechnet, dass man das Land allein mit Ausbau der vorhandenen Pumpspeicher (für die Langzeitspeicherung) und Batterien für Mittel- und Kurzzeitspeicherung komplett mit Sonne (90%) und Wind elektrisch versorgen könnte (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0360544217309568 ). Das Speicherproblem sei, weltweit betrachtet, gelöst, konstatiert das PV-Magazin (https://www.pv-magazine.com/2024/10/08/energy-storage-is-a-solved-problem ). In Deutschland wäre der Pumpspeicherausbau zwar schwieriger, Lösungen können aber gefunden werden (neue Techniken wie Luftdruckspeicher, Kooperation mit bergigen Nachbarländern wie z.B. Österreich). Die Flexibilisierung der Nutzung durch intelligente Steuerung tut ein Übriges, die Solarenergie kostenmäßig konkurrenzlos werden zu lassen. 

Auch im Verkehr gibt es eine rasante Revolution

Der Preisverfall der Batterien beflügelt auch die Elektromobilität. Es war schon immer bekannt, dass ein Elektroauto viel effizienter fährt, da es die eingesetzte Primärenergie besser verwertet als ein Benziner: Es setzt 70-80% des Stroms in Bewegung um (Tendenz steigend), ein Benziner nur 20-25% der Primärenergie (mit Abwärme, Leerlauf etc. nur 15-20%). Es ist auch leiser, sauberer, weniger verschleißanfällig, leichter zu warten uva.. Einzelne Länder waren Pioniere der Elektromobilität, z.B. Norwegen, wo engagierte Akteure, begünstigt durch den hohen Anteil von Strom aus Wasser- und Windkraft, schon früh für staatliche Förderung warben und damit früh eine elektrische Verkehrswende initiierten; 2025 waren dort 95,5% der Verkäufe Elektroautos. 

Entscheidend für die Zukunft ist aber, dass ein Elektrofahrzeug bisher teurer war als ein Benzin- oder Dieselfahrzeug. Mit der Kostendegression der Batterien hat sich dies umgekehrt. Der Startschuss für einen rasanten Hochlauf weltweit ist jetzt erfolgt! Noch nicht in allen Ländern, da Schutzzölle z.B. in den USA oder Europa die preiswerten chinesischen Elektroautos verteuern – aber in den meisten anderen Ländern der Welt. Und kaum sind E-Fahrzeuge preiswerter, tut sich überall Erstaunliches: 2025 haben plötzlich 39 Länder E-Fahrzeugverkäufe von über 10% erreicht (2019 waren es nur vier; denken Sie immer an die Smart-Phones!). Zwischen Januar und Oktober 2025 machten Elektrofahrzeuge schon 25% der globalen Fahrzeugverkäufe aus (nach 3% in 2019). Vietnam hat den Verkaufsanteil in 2025 auf knapp 40%verdoppelt (fast die Hälfte davon lokal fabriziert) und damit die EU (26%) und Großbritannien (33%) überholt. Thailand verkaufte über 20%. Indien, Mexiko und Brasilien (10%) verkauften prozentual mehr Elektrofahrzeuge als Japan (3%), Indonesien (15%) mehr als die USA. Nepal war schon 2024 durch entsprechende Gesetzgebung bei einem Verkaufsanteil von 76% - und besserte damit die Luftqualität in Kathmandu spürbar. In Lateinamerika führt Uruguay mit 27% Verkaufsanteil, gefolgt von Costa Rica (17%). Die Türkei erreichte 17% (https://ember-energy.org/app/uploads/2025/12/The-EV-leapfrog-PDF.pdf ). Äthiopien hat sich geärgert, dass so viele Devisen für Öl ins Ausland gingen. Da durch Wasserkraft viel Strom zur Verfügung steht, setzte man auf E-Mobilität (60% Verkaufsanteil in 2024). 2025 wurde sogar ein Verbrenner-Importverbot eingeführt (!) (https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/verkehrswende-aethiopien-100.html ). 

Bemerkenswert ist, dass vor allem in den Schwellenländern, die Zuwachsraten gigantisch sind. Der „marktgetriebene“ Boom geht überall gerade erst los. In Mexiko stieg der Verkauf 2025 um 80% gegenüber dem Vorjahr. 

Auf dem weltgrößten Automarkt (China) sind inzwischen schon 50% der Neuwagen elektrisch mit rasch wachsender Tendenz. Bei einem so rasch schrumpfendem Verbrennermarkt sollten die nostalgischen deutschen Autohersteller ihre Benziner besser gleich mit „H“-Nummernschild ausliefern. 2025 wurden allerdings auch in Europa erstmals mehr E-Autos verkauft als Verbrenner (https://www.reuters.com/business/autos-transportation/fully-electric-vehicle-sales-eu-overtake-petrol-first-time-december-2026-01-27/ ). Ein Interview bei Bloomberg analysiert weitere Faktoren des weltweiten Elektrofahrzeugebooms (https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-09-25/the-extraordinary-rise-of-electric-cars-in-developing-countries ) und stellt fest: Wohl schon 2017 war „Peak Combustion Vehicle Sales“ - der Gipfel der Verbrennerverkäufe ist überschritten. In China ist wohl auch der Gipfel des Benzinverbrauches überschritten. Und es sind nicht nur die Elektroautos auf dem Vormarsch, mehr noch Zwei- und Dreiradfahrzeuge (39% der globalen Verkäufe) und Busse (43%); aber auch gewerbliche Transporter (10%) und LKW (4%). 

Jetzt in aller Kürze noch ein paar weitere Schlaglichter:

China: Wie schon in Blog 46 dargestellt, ist China durch vorausschauende und geschickte Industriepolitik und durch massive Investitionen in seinem riesigen Binnenmarkt in den meisten Bereichen der Klimatechnologie führend. Zusätzlich zu Blog 46 noch einige weitere Zahlen: China tätigt aktuell 31% der globalen Investitionen in saubere Energie. In 2025 baute China 315 GW Solar zu - dreimal mehr als USA und Europa zusammen (https://www.pv-magazine.com/2026/01/28/china-adds-315-gw-of-solar-in-2025/ ). China´s geplante Solar-Produktionskapazitäten für 2030 sind mit 1.255 GW sogar deutlich höher als der zum Erreichen der Klimaneutralitätsziele der Internationalen Energieagentur notwendige globale Ausbau in 2030 (761 GW) (https://ember-energy.org/latest-insights/china-energy-transition-review-2025/ ). Fast täglich liest man von neuen Superlativen. Auch der renommierte Economist unterstreicht die wichtige Rolle China´s in einem „Special Report“ und fügt hinzu, dass China mit Export von Klimatechnologie wesentlich mehr Geld verdient als die USA mit fossiler Energie (https://www.economist.com/special-report/2025-11-08 ). Stromerzeugung durch Kohle ging in China (und Indien) 2025 erstmals zurück (https://www.carbonbrief.org/analysis-coal-power-drops-in-china-and-india-for-first-time-in-52-years-after-clean-energy-records ). Das ist relevant, da China und Indien von 2015 bis 2024 für 93% des weltweiten Emissionszuwachses verantwortlich waren. Die von China wesentlich mit angetriebene Kostendegression bei Solar, Speichern und Elektromobilität ermöglicht auch die oben geschilderten weltweiten Erfolge – und die Preise sinken weiter. China scheint 2025 das Maximum seiner CO2-Emissionen überschritten zu haben (https://www.carbonbrief.org/analysis-chinas-co2-emissions-have-now-been-flat-or-falling-for-18-months/ ) – und wird damit, als größter Emittent seit 2006, auch der Welt dazu verhelfen (https://www.science.org/content/article/global-carbon-emissions-will-soon-flatten-or-decline ). 

Finanzen: Für jeden Dollar in fossilen Projekten wurden in 2025 zwei Dollar in saubere Energie investiert – weltweit 2,2 Trillionen Dollar. In den „Big four“ (China, USA, EU und Indien) sogar 2,6 Dollar oder insgesamt 62% der globalen Energieinvestitionen in 2025 (https://eciu.net/media/press-releases/2025/how-they-got-it-wrong-pessimistic-predictions-upended-by-post-paris-momentum#:~:text=Clean%20energy%20investment%20will%20reach,what%20it%20was%20in%202015. ). Das vierte Jahr in Folge machten Banken größere Gewinne mit der Finanzierung von „grünen Projekten“als durch Zusammenarbeit mit Ölkonzernen (https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-01-02/banks-notch-higher-fees-from-green-bonds-than-fossil-fuel-debt ). Grüne Anleihen und Schuldverschreibungen zogen 2025 mehr Anleger an denn je – trotz des politischen Roll-backs in manchen Ländern, vor allem der USA (https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-12-25/green-debt-sales-hit-record-levels-despite-climate-backlash ). 

Deutschland: Strom aus Solarenergie überholte Strom aus Braunkohle. Sonne und Wind sind damit die unumstrittenen Sieger. Wind war auch 2025 der größte Nettostromerzeuger, gefolgt von Sonne, Braunkohle, Erdgas, Biomasse, Steinkohle und Wasser. Der PV-Ausbau 2025 übertraf mit rund 16,5 GW noch den Rekordausbau von 2024 und bestätigt damit die Magie des Preises. Die Solarstromproduktion lag mit 15 TWh um 21% über der von 2024. Vor allem der Eigenverbrauch erreichte Rekorde – auch hier die Dynamik des Preises!!! (https://www.ise.fraunhofer.de/en/press-media/press-releases/2025/self-consumption-of-solar-power-is-rising-sharply-in-germany.html ). Mehrere Bundesländer haben schon eine Solarpflicht – ab dem 1.1.2025 auch NRW. Der Windenergieausbau an Land zog deutlich an, von 2,6 Gw in 2024 auf 4,6 GW in 2025 (NRW führte mit 1,3 GW). 2025 wurden Genehmigungen für 14,4 GW erteilt und alle vier Ausschreibungen des Jahres waren überzeichnet, so dass mit weiterer Zunahme des Ausbaues zu rechnen ist. Insgesamt produzierten 2025 regenerative Energiequellen  55,9% des verbrauchten Stromes. Der Speicherausbau verlief rasant (bei Großspeichern plus 56%) (https://www.energy-charts.info/downloads/Stromerzeugung_2025.pdf ). Die Ladeinfrastruktur wird ausgebaut (z.B. https://www.enbw.com/media/presse/docs/gemeinsame-pressemitteilungen/2025/20251218-gemeinsame-pressemitteilung-enbw-und-aplitronic-arbeiten-weiter-zusammen.pdf ). Im privaten Bereich überstieg der Wärmepumpenabsatz 2025 erstmals den von Gasheizungen. Im Neubau war die Wärmepumpe schon 2024 die Standardtechnologie (64,6%). Der Absatz von Großwärmepumpen boomt, weil so viele Stadtwerke ihre Wärmeangebote vergrünen (viele hundert Projekte bundesweit - hoffentlich auch bald in Krefeld). Die Smart-Meter Einbauquote von 20% der verpflichtenden Anschlüsse wurde knapp erreicht (hier muss noch Tempo rein). Kurz vor Weihnachten 2025 wurden in Sachsen-Anhalt 400 km des Wasserstoff-Kernnetzes in Betrieb genommen. Die Strompreise sanken 2025 vielerorts (WZ vom 4.12.2025) – ab 2026 auch in Krefeld. Laut Strompreisreport 2025 werden sie sich auch weiterhin (auch ohne staatlichen Eingriff) stabilisieren (https://www.kopernikus-projekte.de/lw_resource/datapool/systemfiles/cbox/5518/live/lw_datei/ariadne-report_szenarien2025_maerz2025_lowres_corrjuli2025.pdf ). Der Kohleausstieg bekommt Eigendynamik(z.B. steigt EnBW vorzeitig aus). Ölheizungen sind klar auf dem Rückzug, durch die Elektrifizierung des Verkehrs wird der Ölverbrauch zusätzlich sinken. Trotz der vollmundigen Diskussion um das Verbrennerverbot gab VW kleinlaut zu, dass es in Zukunft Kleinwagen wohl nur noch als E-Autos bauen wird (https://www.n-tv.de/wirtschaft/VW-will-Kleinwagen-kuenftig-nur-noch-als-E-Auto-produzieren-id30158975.html ). Zudem war Deutschland weltweit Nummer zwei bei der Produktion von E-Autos und stellte 2025 mit 1,56 Millionen hergestellten Fahrzeugen einen neuen Rekord auf. Sogar politisch gab es 2025 Lichtblicke: Weitere Erleichterungen in Genehmigungsverfahren für Regenerative und Speicher wurden beschlossen, die Kraftwerksplanung tendiert realistischer, die wichtigste Veränderung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) wird wohl die Umbenennung sein, selbstfahrende Fahrzeuge wurden erlaubt. Der Sachverständigenrat bescheinigt in seinem Jahresgutachten, dass Deutschland seine Klimaziele erreichen könnte, wenn alle avisierten Maßnahmen umgesetzt würden; hier müsse die Politik noch nacharbeiten (https://www.publikationen-bundesregierung.de/pp-de/publikationssuche/energiewendemonitoring-2025-2398800 ). Die Bevölkerung steht dahinter: Die „Agentur für Erneuerbare Energien (AEE)“ konstatiert nach ihrer Akzeptanzumfrage 2025: „Energiewende wird sichtbarer, Akzeptanz weiter hoch. 81% der Deutschen unterstützen den Ausbau Erneuerbarer Energien“ (https://www.unendlich-viel-energie.de/akzeptanzumfrage-2025 - und das stimmt auch global: https://www.nature.com/articles/s41558-024-01925-3 ).

USA: Nur kurz am Rande wegen der großen „Enttäuschung“ über das Klimaverhalten der USA: Sogar dort geht der Solarausbau ungebrochen weiter; ein Zubau zwischen 41 und 52 GW jährlich wird bis 2035 erwartet (knapp die Hälfte unseres Gesamtbestandes) (https://www.pv-magazine.com/2025/12/31/u-s-on-course-to-reach-737-8-gw-of-solar-by-2035/#:~:text=The%20U.S.%20is%20on%20track,49%20GW%20deployed%20in%202024 ). Rechenzentren bevorzugen wegen Kosten und raschem Ausbau Wind und Sonne und haben hohen Zubaubedarf (auch Trump kann nicht gegen die Wirtschaftlichkeit „anstinken“). Ein Symbol: RWE nimmt deshalb nach kurzer Pause, um die Folgen des Trump´schen Windkrafthasses zu bewerten, seine Investitionstätigkeit in Regenerative wieder auf (RWE-Chef Krebber im RP-Interview vom 4.1.2026). Die Zustimmung für regenerative Energie ist weiterhin hoch. Die US-Länder setzen viele eigene Projekte um – gegen den Widerstand von Washington (Beispiele in „50 States – 50 Fixes“ der New York Times; https://www.nytimes.com/interactive/2025/climate/50-states-fixes.html oder https://www.pv-magazine.com/2026/01/28/new-jersey-governor-orders-major-solar-storage-expansion-on-first-day/ ). Kalifornien wehrt sich gegen Aufweichung seiner Klimaziele, die über viele Jahre bundesweit Maßstäbe gesetzt haben. In New York gibt es Überlegungen den Finanzriesen Blackrock aus der Rentenversicherung zu werfen, da dieser sich öffentlich von seinen Klimazielen distanziert hat. 

Fazit: Können wir uns zurücklehnen?

Weltweit wurde also 2025 der Turbo gezündet. „Die rasanteste Energiewende der Geschichte geht weiter“ meint das PV-Magazin: Solar- und Windkraft wird fünfmal schneller installiert als alle anderen neuen Energiequellen, Sonnenenergie verzehnfacht sich jede Dekade. Der Markt spricht!!! (https://www.pv-magazine.com/2025/01/13/the-fastest-energy-change-in-history-continues/ ). „König Kohle“ wird von Sonne und Wind abgelöst (https://www.energycentral.com/renewables/post/solar-wind-are-deposing-king-coal-kpqbZEokwtlE680 ) – „Peak Coal“ ist erreicht (https://www.iea.org/news/global-coal-demand-has-reached-a-plateau-and-may-well-decline-slightly-by-2030 ), Kernkraft ist auf dem Rückzug (https://www.worldnuclearreport.org/World-Nuclear-Industry-Status-Report-2025 ). Praktisch alle Prognosen aus der Zeit des Klimadurchbruches in Paris wurden übertroffen (https://eciu.net/analysis/reports/2025/ten-years-post-paris ). Der Wendepunkt (Peak-CO2 weltweit) steht kurz bevor (https://www.science.org/content/article/global-carbon-emissions-will-soon-flatten-or-decline ). Wir können den negativen (physikalischen) Kipp-Punkten positive (soziale) Kipp-Punkte entgegensetzen (Tim Lenton: “Positive Tipping Points”, 2025). Es wartet eine sonnige Zukunft!

Wäre schön, das so stehen zu lassen. Aber wir haben noch einige Aufgaben zu erledigen. Wie gesagt: Sparlampen schrauben sich, selbst bei unschlagbarer Wirtschaftlichkeit, nicht von selbst in die Fassungen. Und am Energiesystem müssen auch noch ein paar Schräubchen gedreht werden. In Krefeld müssen wir bis Juni 2026 die Wärmeplanung verabschieden und dann schnell in die Umsetzung gehen. Alle CO2-Emissionen müssen abgeschaltet (oder zur Not abgefangen) werden. Fangen Sie bei sich zuhause an. Stadt, SWK, Betriebe und viele Privatleute sind schon dran. Das ZGM baut weit über 100 Solaranlagen und saniert Gebäude, die GSAK kauft fleißig Elektrofahrzeuge (https://www.gsak.de/de/unternehmen/umwelt ), die SWK beraten zu Wärmepumpen. Machen Sie mit! 

Zur musikalischen Begleitung in die „Solare Weltwirtschaft“ (Hermann Scheer 1999), besonders für meine lieben Mit-Boomer unter den Lesern (die bei der Energiewende besonders gefragt sind, da sie der Welt vieles „eingebrockt“ haben, durch ihre Zahl und Finanzkraft aber auch vieles „ausbrocken“ könnten) etwas verstaubte und schnulzige Töne aus dem Musical „Hair“, welches neben viel Leid und Konflikt auch einen Traum ausdrückte: „Age of Aquarius/Let the sunshine in“ (https://www.youtube.com/watch?v=kjxSCAalsBE – der Sonnenschein kommt am Ende).